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Wunderwelt der Natur
Blume in Geröll
 

Der Naturpark Lechtal ist mit 60 km eines der letzten Naturparadiese Mitteleuropas. Und wohl eines der schönsten der Welt!
Eine wahre Wunderwelt der Natur öffnet sich hier im Herzen Europas dem Besucher: mächtige Gipfel, große Grasberge , tosende Wasserfälle und zahllose Bergseen. Unberührte Wildnis. Es ist eine Insel unberührter Natur, die sich rund um den Lechfluss, erstreckt. Ein Paradies für viele Tier- und Pflanzenarten, die anderswo bereits ausgestorben oder selten geworden sind. Sie sind die wahren Schätze des Hochgebirges: Steinadler und Bartgeier ziehen hoch über den Gipfeln ihre Kreise. Steinböcke und Gämsen bewegen sich mit unglaublicher Leichtigkeit in den steilsten Felswänden.

Lechtal_Logo Tirolerlech Lechweg Lechtal Reutte
 
Das Lechtal
Oberhalb von Höfen (bei Weißenbach) wird das Reuttener Becken durch die Verengung von Gaicht- und Schlossberg, beide aus Wettersteinkalk, abgeschlossen. Damit beginnt das "eigentliche" oder Tiroler Lechtal. Es ist neben dem inneren Osttirol und dem Reichraminger Hintergebirge die einzige alpine Landschaft Österreichs, die nicht vom Massentourismus, von Großkraftwerken mit ihren Speicherausleitungen, oder
durch eine internationale Transitroute belastet wird. Bereits dies ist heute einmalig. Dazu kommt, dass der Abschnitt des Lech zwischen Forchach und Stanzach nur durch einige Buhnen verändert ist, und so
vermittelt das breite Bachbett mit den begleitenden Schotterauen den Eindruck einer echten Naturlandschaft. Die landwirtschaftliche Nutzfläche zwischen Weißenbach und Elmen ist klein und die Böden sind wenig ertragreich. Daher konnten keine größeren Dörfer entstehen, weshalb wiederum kein Interesse bestand, den Lech zu kanalisieren. Nur dieser "Ungunstlage" verdanken die letzten größeren Gebirgsauen der Nordalpen ihr Überleben.
 
Lech Lech Lech
 
Besonderheiten des Lechs
Einst floß der Lech, so wie die anderen Flüsse auch, wild und frei durch sein Tal. Dann begann der Mensch, jede noch so kleine Fläche des schmalen Bodens in den Tälern zu nutzen, und die Bewohner schützten die Wiesen vor den wilden Wassern der Flüsse, indem sie ihre Ufer befestigten, ihren Lauf begradigten und der Kulturlandschaft anpassten. Sind die Ufer jedoch begradigt, wird die Fließgeschwindigkeit des Wassers schneller und der Fluss gräbt sein Bett immer tiefer in den Untergrund ein. Die Sohleneintiefung der Gewässer zwingt wiederum zur Sicherung der einstürzenden Ufer mit Felsblöcken und Beton. So haben die meisten Flüsse Mitteleuropas ihre natürliche Dynamik inzwischen verloren. Die wenigen Ausnahmen in den Alpen, bei denen noch größere freie, naturnahe Fließstrecken erhalten blieben, sind die obere Durance in Frankreich, der Tagliamento in Italien und Teile des oberen Lechs. Damit das faszinierende Wechselspiel der gestaltenden Naturkräfte erhalten bleibt und natürliche Umlagerungsstrecken vom Wasser geschaffen werden können, müssen die Nebenbäche aus den Seitentälern dem Lech ausreichend Kies und Steine von den Felsgipfeln der Lechtaler und Allgäuer Alpen zuführen. Deren bizarre Bergspitzen bestehen vor allem aus dem harten und spröde brechenden Gestein des Hauptdolomits. Für Dolomit ist charakteristisch, dass er von vielen feinen Klüften durchzogen wird, in die Wasser eindringen kann. Da sich Wasser beim Gefrieren ausdehnt, sprengt es den Felsen und läßt ihn so regelrecht zerbröseln. Unwetter, Lawinen und Sturzbäche reißen immer wieder neue Gesteinsschichten auf, und der Steinschlag hat tiefe Spuren hinterlassen. Von Hitze, Frost, Wasser und Wind zermürbt zerfallen die Felsen und an so manchen Bergflanken sind riesige Schutthalden zu sehen. Unentwegt schieben und drücken die Steine, kollern zu Tal, und werden dort vom Wasser weitertransportiert. Unablässig rollt und schiebt das Wasser die Steine talwärts und trägt so zur Erhaltung einer der letzten großen Wildflusslandschaften der Alpen bei. Ihr bemerkenswertester Abschnitt liegt zwischen Forchach und Stanzach, wo sich ein breiter Schuttstrom im Tal ausgebreitet hat und eine große Gebirgsau erhalten blieb. Auch hier wurde zum Teil versucht, mittels Buhnen und Traversen den Lech in vorgegebene Bahnen zu zwingen. Doch zwischen den Buhnen hat der Lech Platz für verzweigende Rinnen und Kiesbänke. Eine Flusslandschaft, wie sie früher häufig in den Alpen und im Vorland zu finden war. Das Wasser gräbt sich immer wieder neue Wege und füllt mit dem aus den Seitenbächen zugeführtem Geschiebe in den alten Bahnen mächtige Kiesbänke auf. Bei jedem Hochwasser transportiert der Lech große Schottermengen talauswärts. Der Fluss befindet sich in ständigem Wandel, und er bewahrt sein Gleichgewicht, solange keine schwerwiegenden Eingriffe den Geschiebehaushalt nachhaltig stören.
 
Lech Lech Lechau
 
Baggersee bei Weißenbach
 
Botanische und zoologische Besonderheiten der Flußau
Kaum ein anderer Lebensraum zeigt eine derartige Vielfalt und Dynamik der natürlichen Bedingungen wie die Flußau. Von der Schotterflur bis zum Fuß des Hangwaldes hat der Lech kleinräumig verzahnte und oft auch untereinander wechselnde Standorte für unterschiedliche Pflanzengemeinschaften und Schutzräume für Tiere geschaffen. Die Deutsche Tamariske z.B. war früher ein häufig anzutreffendes Auengebüsch und ist nun fast vollständig vom Aussterben bedroht. Oder die Gefleckte Schnarrschrecke - diese große Feldheuschrecke ist auf vegetationsfreie Kiesbänke angewiesen und hat ihr weltweit größtes Vorkommen hier am Lech. Es gibt nur noch wenig Platz für diese Pflanzen und Tiere, und die Lechauen sind als eines der letzten, größeren Rückzugsgebiete erhalten geblieben. Der Lech stellt Österreichs wichtigstes Brutgebiet für alpine, flussbewohnende Vögel dar. Nirgends sonst kommen Gäsesäger, Flussuferläufer, Flussregenpfeifer, Wasseramsel und weitere Gebirgsflussbewohner in solcher Dichte vor. Raritäten sind die Kreuzkröte (sonst nur in Ostösterreich), der schöne Alpenapollofalter, das Randfleckwidderchen (sonst in Südfrankreich) und Bileks Azurjungfer, eine bis auf Vorkommen in Sibirien bereits weltweit ausgestorbene Libelle. Außerdem leben über 20 weitere Libellenarten im Lechtal. Zwischen den Steinchen geht der gefleckte Sandlaufkäfer auf die Jagd, wegen seiner kräftigen Kieferzangen wird der flinke Läufer in anderen Sprachen "Tigerkäfer" genannt.
 
Libelle Kreuzotter Bachforelle
 
Bartgeier Linaria Edelweiss
 

Die Zonierung des Talbeckens

Von den Flussufern landeinwärts lassen sich vereinfacht drei Zonen unterscheiden:

  1. die Schotterinseln, die immer wieder umgeformt werden. Dort können nur an zeitweilige Austrocknung angepasste Spezialisten sprießen, etwa der Knorpelsalat oder Pflanzen der Schutthalden in den Bergen (Zwerg-Glockenblume, Gänsekressen, Alpenleinkraut) deren Samen angeschwemmt wurden. Frische Rinnen mit langer Überschwemmungsdauer besiedeln Kalkflachmoorpioniere (Alpenbinse, Bunter Schachtelhalm, Mehlprimel).
  2. Auf Standorten weiter innen, mit feinem Sand, hohem Grundwasserspiegel und mit periodischen Überschwemmungen, wachsen Tamarisken und Weidengebüsch. Sie verankern sich mit einem weit verzweigten Wurzelsystem, vertragen Hochwasser und schützen den Boden vor der Erosion des Flusses. In flussfernen, kaum mehr überschwemmten Rinnen gesellt sich die Grauerle dazu. Die Tamarisken brauchen regelmäßige Überschwemmungen, da sie bei längerer Trockenheit von Weiden und schließlich Kiefern verdrängt werden. Wegen der an fast allen Alpenflüssen verlorenen ursprünglichen Dynamik steht die Deutsche Tamariske ähnlich wie der Knorpelsalat in Mitteleuropa kurz vor dem Aussterben.
  3. Auf nicht mehr vom Hochwasser beeinflussten, erhöhten Schwemmterrassen siedelt der Schneeheide-Kiefernwald als Schlussglied der Auensukzession, eine artenreiche und bunte Waldgesellschaft. Mit z.B. Steinbrech, Glockenblumen, Eisenhut, Orchideen und angeschwemmten Bergblumen wie dem Edelweiß. Eine Besonderheit sind die teppichartigen Silberwurz-Fluren.
 
Schmetterling Käfer Schnarrschrecke
 

Der Lech in Gefahr
Das sensible Gleichgewicht dieser Landschaft ist jedoch in Gefahr. Wenn Eingriffe den Nachschub von Steinen aus den Bergen vermindern, wenn das Wasser mehr Geröll abführt als nachkommen kann, dann ist dieser Lebensraum bald für immer zerstört. Die Pflanzengesellschaften in der Au reagieren sensibel auf jede Veränderung. Sobald das Grundwasser fällt, weil der Fluss sich weiter eingräbt und zu wenig Geschiebe nachkommt, wird die Auenvegetation überwuchert und die Vielgestaltigkeit der Lebensgemeinschaften vernichtet. Eingriffe und Veränderungen sind überall zu sehen.

Pläne für eine energiewirtschaftliche Nutzung der Seitenbäche liegen bereit (den Rotlech hat es bereits "erwischt"), Geschiebesperren halten den Schotter der Seitenbäche zurück und mehrere Schotterwerke bauten Unmengen an Kies ab. Ein Großteil davon wurde ins Ausland exportiert - auch das war eine Möglichkeit die heimische Bergwelt zu vermarkten. Doch noch ist es für die erhalten gebliebene Au des Lechs nicht zu spät. Das jahrelange Trommeln sämtlicher Umweltschutzgruppierungen zu Schutzwürdigkeit und Gefährdung des Lechtals beginnt langsam Früchte zu tragen. Die Kiesentnahme erfolgt nun vor dem Füssener Forggensee, denn dieser müsste sonst von Bayern aufwendig ausgebaggert werden.

Im Zuge der Sanierung der Johannesbrücke zwischen Weißenbach und Forchach werden einige der Buhnen entfernt und das Flussbett wieder ausgeweitet. Dabei kann man die großen Kiesmengen, die sich im Schutz der Buhnen angesammelt haben, gut verkaufen und mit dem Erlös nahezu die gesamte Renaturierung finanzieren. Die sowieso schon angefüllten Kiesrückhaltebecken in den Seitentälern werden Zug um Zug abgesenkt, auf das die Flüsse den Schotter ins Tal transportieren, wo der Überschuss (bereits vom Fluss gewaschen) einfach aufgeladen werden kann. Noch also kann man eine Landschaft erhalten, die für Pflanzen, Tiere und Menschen zu einer seltenen Kostbarkeit geworden ist. Noch.