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| Besonderheiten des Lechs Einst floß der Lech, so wie die anderen Flüsse auch, wild und frei durch sein Tal. Dann begann der Mensch, jede noch so kleine Fläche des schmalen Bodens in den Tälern zu nutzen, und die Bewohner schützten die Wiesen vor den wilden Wassern der Flüsse, indem sie ihre Ufer befestigten, ihren Lauf begradigten und der Kulturlandschaft anpassten. Sind die Ufer jedoch begradigt, wird die Fließgeschwindigkeit des Wassers schneller und der Fluss gräbt sein Bett immer tiefer in den Untergrund ein. Die Sohleneintiefung der Gewässer zwingt wiederum zur Sicherung der einstürzenden Ufer mit Felsblöcken und Beton. So haben die meisten Flüsse Mitteleuropas ihre natürliche Dynamik inzwischen verloren. Die wenigen Ausnahmen in den Alpen, bei denen noch größere freie, naturnahe Fließstrecken erhalten blieben, sind die obere Durance in Frankreich, der Tagliamento in Italien und Teile des oberen Lechs. Damit das faszinierende Wechselspiel der gestaltenden Naturkräfte erhalten bleibt und natürliche Umlagerungsstrecken vom Wasser geschaffen werden können, müssen die Nebenbäche aus den Seitentälern dem Lech ausreichend Kies und Steine von den Felsgipfeln der Lechtaler und Allgäuer Alpen zuführen. Deren bizarre Bergspitzen bestehen vor allem aus dem harten und spröde brechenden Gestein des Hauptdolomits. Für Dolomit ist charakteristisch, dass er von vielen feinen Klüften durchzogen wird, in die Wasser eindringen kann. Da sich Wasser beim Gefrieren ausdehnt, sprengt es den Felsen und läßt ihn so regelrecht zerbröseln. Unwetter, Lawinen und Sturzbäche reißen immer wieder neue Gesteinsschichten auf, und der Steinschlag hat tiefe Spuren hinterlassen. Von Hitze, Frost, Wasser und Wind zermürbt zerfallen die Felsen und an so manchen Bergflanken sind riesige Schutthalden zu sehen. Unentwegt schieben und drücken die Steine, kollern zu Tal, und werden dort vom Wasser weitertransportiert. Unablässig rollt und schiebt das Wasser die Steine talwärts und trägt so zur Erhaltung einer der letzten großen Wildflusslandschaften der Alpen bei. Ihr bemerkenswertester Abschnitt liegt zwischen Forchach und Stanzach, wo sich ein breiter Schuttstrom im Tal ausgebreitet hat und eine große Gebirgsau erhalten blieb. Auch hier wurde zum Teil versucht, mittels Buhnen und Traversen den Lech in vorgegebene Bahnen zu zwingen. Doch zwischen den Buhnen hat der Lech Platz für verzweigende Rinnen und Kiesbänke. Eine Flusslandschaft, wie sie früher häufig in den Alpen und im Vorland zu finden war. Das Wasser gräbt sich immer wieder neue Wege und füllt mit dem aus den Seitenbächen zugeführtem Geschiebe in den alten Bahnen mächtige Kiesbänke auf. Bei jedem Hochwasser transportiert der Lech große Schottermengen talauswärts. Der Fluss befindet sich in ständigem Wandel, und er bewahrt sein Gleichgewicht, solange keine schwerwiegenden Eingriffe den Geschiebehaushalt nachhaltig stören. |
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Botanische und zoologische Besonderheiten der Flußau Kaum ein anderer Lebensraum zeigt eine derartige Vielfalt und Dynamik der natürlichen Bedingungen wie die Flußau. Von der Schotterflur bis zum Fuß des Hangwaldes hat der Lech kleinräumig verzahnte und oft auch untereinander wechselnde Standorte für unterschiedliche Pflanzengemeinschaften und Schutzräume für Tiere geschaffen. Die Deutsche Tamariske z.B. war früher ein häufig anzutreffendes Auengebüsch und ist nun fast vollständig vom Aussterben bedroht. Oder die Gefleckte Schnarrschrecke - diese große Feldheuschrecke ist auf vegetationsfreie Kiesbänke angewiesen und hat ihr weltweit größtes Vorkommen hier am Lech. Es gibt nur noch wenig Platz für diese Pflanzen und Tiere, und die Lechauen sind als eines der letzten, größeren Rückzugsgebiete erhalten geblieben. Der Lech stellt Österreichs wichtigstes Brutgebiet für alpine, flussbewohnende Vögel dar. Nirgends sonst kommen Gäsesäger, Flussuferläufer, Flussregenpfeifer, Wasseramsel und weitere Gebirgsflussbewohner in solcher Dichte vor. Raritäten sind die Kreuzkröte (sonst nur in Ostösterreich), der schöne Alpenapollofalter, das Randfleckwidderchen (sonst in Südfrankreich) und Bileks Azurjungfer, eine bis auf Vorkommen in Sibirien bereits weltweit ausgestorbene Libelle. Außerdem leben über 20 weitere Libellenarten im Lechtal. Zwischen den Steinchen geht der gefleckte Sandlaufkäfer auf die Jagd, wegen seiner kräftigen Kieferzangen wird der flinke Läufer in anderen Sprachen "Tigerkäfer" genannt. |
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Die Zonierung des Talbeckens Von den Flussufern landeinwärts lassen sich vereinfacht drei Zonen unterscheiden:
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Der Lech in Gefahr Pläne für eine energiewirtschaftliche Nutzung der Seitenbäche liegen bereit (den Rotlech hat es bereits "erwischt"), Geschiebesperren halten den Schotter der Seitenbäche zurück und mehrere Schotterwerke bauten Unmengen an Kies ab. Ein Großteil davon wurde ins Ausland exportiert - auch das war eine Möglichkeit die heimische Bergwelt zu vermarkten. Doch noch ist es für die erhalten gebliebene Au des Lechs nicht zu spät. Das jahrelange Trommeln sämtlicher Umweltschutzgruppierungen zu Schutzwürdigkeit und Gefährdung des Lechtals beginnt langsam Früchte zu tragen. Die Kiesentnahme erfolgt nun vor dem Füssener Forggensee, denn dieser müsste sonst von Bayern aufwendig ausgebaggert werden. Im Zuge der Sanierung der Johannesbrücke zwischen Weißenbach und Forchach werden einige der Buhnen entfernt und das Flussbett wieder ausgeweitet. Dabei kann man die großen Kiesmengen, die sich im Schutz der Buhnen angesammelt haben, gut verkaufen und mit dem Erlös nahezu die gesamte Renaturierung finanzieren. Die sowieso schon angefüllten Kiesrückhaltebecken in den Seitentälern werden Zug um Zug abgesenkt, auf das die Flüsse den Schotter ins Tal transportieren, wo der Überschuss (bereits vom Fluss gewaschen) einfach aufgeladen werden kann. Noch also kann man eine Landschaft erhalten, die für Pflanzen, Tiere und Menschen zu einer seltenen Kostbarkeit geworden ist. Noch. |
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